Die Karlssonsche Schweigepflicht


1974 schreibt Fr Karlsson die Studie "Verwaltete Kinder" Diese Ergebnisse hat sie 1974 den Verantwortlichen der Stadt Wien präsentiert. Daraufhin durfte sie den Bericht nur zensuriert veröffentlichen. "Die Heime durften nicht im Originalnamen vorkommen, sondern nur als Nummerncode", sagt Karlsson. Dies hätte die Stadt Wien so verlangt. Außerdem habe die Stadt auch alle Protokolle zur Untersuchung bekommen. Konsequenzen in den Heimen gab es keine.

1975, wird Fr. Karlsson weiterhin gezwungen die Zustände in den Heimen zu verschweigen?

Wiener Jugendbericht Magistrat der Stadt Wien, Geschäftsgruppe 3 Jugend und Volk Verlag, Wien 1975
Die Geschäftsgruppenänderung des Magistrates der Stadt Wien nach den Gemeinderatswahlen im Jahre 1973, fasste die gesamte Jugendarbeit der Stadt Wien in einer Geschäftsgruppe zusammen. Über die Tätigkeit in der Jugendarbeit dieser Geschäftsgruppe liegt nun ein Bericht vor, der sowohl die vergangene Tätigkeit beschreibt, als auch Modelle, Experimente und geplante Schwerpunkte.
So plant die MA11 z.b.: ein Sozialzentrum mit Elternschule, Mutterberatung und psychologischer Beratung im 10. Bezirk, sowie Beratungsstellen in den neuen Stadtrandsiedlungen.
Die Sozialarbeiter sollen mehr selbständige Arbeitsbereiche bekommen und durch Teamarbeit bei ihren Entscheidungen abgestützt werden. Die Vorschulerziehung soll so ausgebaut werden, dass bis 1980 75 Prozent aller drei bis fünfjährigen und alle fünf bis sechsjährigen Kinder einen Kindergartenplatz bekommen können. Daneben wird die Verringerung der Gruppengrösse angestrebt. Bei den Heimen soll nach Therapebedürftigkeit differenziert werden. Schul und Berufsausbildung, sowie Dauer des Heimaufenthaltes soll sich ebenfalls nach therapeutischen Aspekten richten. Das Kapitel der Städtischen Schulverwaltung (MA56) gibt einen genauen Überblick über die Tätigkeit dieser Abteilung und den Sachaufwand, den die Stadt Wien zur Erhaltung der Schulen leistet.
Das Landesjugendreferat stellt über sein Kapitel das Motto: Von Sport und Spiel über Kommunikation und musische Förderung zum informierten Bürger, und berichtet dann abschnittweise über seine Aktivitäten. Besonders hervorzuheben wäre das Wiener Ferienspiel, dass sich großer Beliebtheit bei den Wiener Kindern erfreut, die Aktivitäten während der Energieferien im Februar und die Jugendcafes. Einen Schwerpunkt seiner zukünftigen Tätigkeit sieht das Landesjugendreferat vor allem auf dem Gebiet der Medienerziehung.

Den Abschluss des Wiener Jugendberichtes bildet eine Publikationsliste der Mitarbeiter des Jugendamtes ab dem Jahre 1966. Der Wiener Jugendbericht ist zwar nur als Aussendarstellung der betroffenen Institutionen zu verstehen, bringt aber dennoch einen guten Überblick über das komplizierte System städtischer Jugendarbeit und ist damit von hohen Informationswert.
Irmtraut Leirer

In der Diplomarbeit von Silke Linseder (Mai 1997):
Vom Kinderheim zur sozialpdagogischen Wohngemeinschaft
Am Beispiel des Kinderheimes Hohe Warte
S. 48
Leirer, Fischer und Halletz, die sich mit dem Bericht der Wiener Heimkomission 1976 beschäftigen, meinten zu dem damaligen Forderungskatalog:
Obwohl diese Empfehlungen und Zielvorstellungen in sich häufig wiedersprüchlich und von unserem Standpunkt aus in manchen Fällen anzweifelbar sind, stellen sie dennoch das Fortschrittlichste, das die Sozialpolitik hierzulande zu bieten hat, dar.
Sie sollen daher einmal als Massstab genommen werden, um die Wirklichkeit der Heimerziehung in Österreich zu messen und zu überprüfen, wieweit die Heimerziehung wenigstens ihren eigenen Anforderungen entspricht.

Leirer et. al. halten vor allem den Punkt des Bestrafungssystems in Kinderheimen für widersprüchlich. Die Heimkomission verlangte eine Änderung des Belohnungs und Bestrafungssystems, wobei "Strafe" folgendermassen definiert wurde:

"Unter Strafe im allgemeinen Sinne versteht man das gewollte und bewusste Zufügen eines Leidens oder Versagens oder Entziehens einer Annehmlichkeit.
Gestraft wird mit der Absicht, durch das Erzeugen von Unlustgefühlen oder allein durch deren Androhung eine Verhaltensänderung herbeizuführen. wenn aber die Erziehung im allgemeinen, und somit auch die Heimerziehung, als ihr Ziel die Mündigkeit des Menschen anstrebt, also die Fähigkeit zu entwickeln wünscht, dass dieser Mensch sich sein Urteil selbstständig bildet und eine verantwortliche Entscheidung in seinem Leben treffen kann, so sind Strafen für dieses Erziehungsziel kein geeignetes Mittel. Sie appelliert an Lust und Unlusterwartung, nicht aber an freie und kritische Einsicht."