Mein Heimaufenthalt


Überstellungsgründe in die diversen Heime


Am Himmel

Antrag gestellt vom Bezirksjugendamt f.d.13/14 Bezirk, Wien an die Kinderübernahmestelle der Stadt Wien, Lustkandlgasse 50, Wien.
Überstellungsgrund:
Die Kindeseltern bewohnen mit dem Minderjährigen eine sehr feuchte, dunkle Hauswartwohnung im Tiefpaterre gelegen. Die Kindesmutter hat zwei aussereheliche Kinder die bereits in Gemeindepflege übernommen wurden, da sie der Stiefvater ablehnte und lieblos behandelte. Die Kindesmutter eine einfache, nicht sehr wirtschaftliche und erziehungstüchtige Frau, ist wieder gravid, arbeitet und versorgt den minderjährigen sowie den Haushalt unzulänglich. Der Kindesvater arbeitet, trägt aber mit seinen Verdienst kaum zur Haushaltsführung bei. Die Kindesmutter scheint durch die Berufstätigkeit, Haushaltsführung und Versorgung des Kindes in jeder Hinsicht überfordert. Der mj Rudolf ein kränklicher, blasser, eingeschüchteter Bub wird nach den Angaben der Kindesmutter, weil er schlimm und nicht rein ist, vom Kindesvater viel geschlagen. Für den Kindesvater ist Schlagen das einzige Erziehungsmittel und der Kindesmutter gelingt es nicht den Kindesvater davon abzubringen. Bei einer Vorsprache am 3.6.1966 ersuchte die Mutter um Unterbringung des mj im Kindergarten ,  diese ist zur Zeit nicht möglich und wäre auch nicht die geeignete Lösung, zumal der mj. bei Belassung in der Fam. ernstlich gefährdet erscheint. Da eine anderweitige Versorgungsmöglichkeit nicht zur Verfügung steht, stellt das Bezirksjugendamt 13/14 den Antrag auf Übernahme des Kindes in Pflege und erziehung der Gemeinde Wien.
Das Kind ist bei den Eltern schwerstens gefährdet. Sie kennen als einziges Erziehungsmittel Schläge, und teilen diese dem Kleinkind in reichsten Masse zu, das Kind ist sehr eingeschüchtert, es zeigt  im Gesicht spuren, angeblich ist das Kind gefallen. Doch gibt die Mutter zu , dass sie und ihr Gatte es sehr schlagen, wenn es nass ist oder sich voll macht.
Dringende Unterbringung ist geboten.




Am Himmel 1951




Wimmersdorf



Befund und Gutachten der Magistratsabteilung 11-Jugendamt

Körperlich alters entsprechend entwickelt, fahrig.
Wenig selbstkritischer, unselbstständiger Bub , der sich nur schwer beeinflussen lässt und zum Einzelgängertum neigt. Der minderj. , der im Gespräch sehr verschlossen wirkt, scheint kaum Erziehung  erfahren zu haben, sondern die Reaktion der Eltern auf sein Verhalten waren wohl stets von deren Stimmungslage abhängig. Der Vater kennt als Strafmaßnahme nur körperliche Züchtigung, die Mutter  kann sich nicht durchsetzen. Der minderj. ist, bedingt  durch die repressiven elterlichen  Maßnahmen  unselbstständig, braucht ständig Kontrolle, wirkt verschüchtert, findet nur schwer Kontakt zu Gleichaltrigen und zeigt sich Erwachsenen gegenüber sehr verschlossen und mißtrauisch.

Auszüge aus dem Beschluß vom Jugendgerichtshof Wien/Dr: Ernst Markel
Beschluss:
In der Pflegschaftssache minderj. R.P. wird im Rahmen der aufrechten gerichtlichen Erziehungshilfe die Unterbringung in einen Kinderheim der Gemeinde Wien angeordnet..


Begründung:

Das Bezirksjugendamt 23 stellte den aus dem Spruch ersichtlichen Antrag mit der Begründung, die gegenwärtige Erziehungssituation in der Familie des minderjährigen lasse befürchten, das totales Schulversagen eintreten werde und sogar die Gefahr einer psychischen Fehlentwicklung bestehe.
Die Familiensituation stellt sich so dar, dass der allenfalls überstrenge Vater nicht nur  die Kinder sondern offensichtlich auch die Kindesmutter  so behandelt, dass sie unter psychischen Druck stehen. Der minderj. selbst  gab über befragen durch die Fürsorgerin der Wiener Jugendgerichtshilfe an, er werde vom Vater manchmal auch mit dem Riemen geschlagen und wolle zu seinen Brüdern ins Heim. Er zittert leicht, macht einen völlig unirritierten und sehr Bedauernswerten Eindruck, hat offensichtlich völlig resigniert und will einfach nichts mehr unternehmen.
Der Kindesvater sprach  sich gegen eine Heimunterbringung aus und begründete dies damit, dass der minderj. nur sehr verspielt sei und unter  Konzentrationsschwächen leide. Er habe einen Vitalschaden, welcher für sein Verhalten ursächlich sei, das familiäre Milieu  sei nicht daran schuld.
Aus dem festgestellten Sachverhalt ergibt sich jedoch eindeutig, dass dies nicht der Fall ist, vielmehr sind die Erziehungsberechtigten nicht in der Lage, die mit der Erziehung des Kindes verbundenen Pflichten zu erfüllen. Es ist deswegen die Unterbringung des minderj.  in einem Heim im Rahmen der gerichtlichen Erziehungshilfe unumgänglich notwendig, um ihn vor weiteren Schaden zu bewahren.
Administrationvorschlag: Heim Wimmersdorf. Begutachtender  Psychologe Dr. Reiter.
Mit diesen Befunden und Gutachten die mit - um ihn vor weiteren Schaden zu bewahren  abgeschlossen sind ging es in die Küst und danach direkt in die Kinder und Jugendvernichtungsanstalt Wimmersdorf.
Der erste Tag in Wimmersdorf

Von der Kinderübernahmestelle Lustkandlgasse ging es 1973  in Richtung Wimmersdorf. Auf der Fahrt war ich am überlegen wie es da sein wird und hatte Freude vom Elternhaus wegzukommen da mir die ewigen Prügel einfach zuviel waren und ich nicht mehr konnte.
Zu Mittag angekommen ging es in den Speisesaal wo so um die einhundert Kinder gerade mit dem Mittagessen beschäftigt waren und das Geräusch vom Besteck deutlich zu hören war. Ich wurde an einen Tisch gesetzt wo noch drei andere Kinder Platz hatten und diese verschwiegen daran waren die Teller zu leeren. Wie es so ist wollte ich ein Gespräch beginnen um überhaupt zu wissen wie es da war, das sollte ich wenige Sekunden später schon verspüren.
Kaum den ersten Satz ausgesprochen flog mir mit voller Wucht eine Hand von hinten mitten ins Gesicht so das ich samt dem Sessel zwei Tische weiter mich am Boden wieder gefunden hatte. So durfte ich Tante Mimi das erste mal kennen lernen und ich wusste jetzt wo ich gelandet war, in der Hölle für Kinder.
Weinend nahm ich das erste Essen im Heim zu mir um danach in meine zukünftige Gruppe einzuziehen. Hier der erste Kontakt mit anderen Kindern und schon kamen die Warnungen vor Specki. Sie war das Maß aller Dinge was sie sagte war Gesetz und wer es nicht sofort befolgte hat mit Gewalt zu rechnen. Nach dem Essen musste ich Wäsche-Bettwäsche usw. ausfassen um danach mit einen der Zöglinge zur Gruppe geführt zu werden. Dieser meinte: sei froh zweier Gruppe wenigstens bist nicht bei Tante Mimi. So wurde mir eine Tante nach der anderen erklärt schön nach Reihenfolge. Von der brutalsten bis hin zur mildesten Schlägerin.
Bei meiner Gruppe angekommen wurde ich Barbara übergeben und mein erster Eindruck sollte mich schwer täuschen. Eine junge doch hübsche Frau aus Kärnten kommend mit markant harten Gesichtszügen und leichten Höcker an der Nase, brünettes Schulterlanges Haar und sportlich schlanker Figur, eigentlich nach der Optik sympatisch.
Nützte alles nichts, auch sie trug den Keim der Kindervernichter in ihr und lebte das auch hemmungslos aus. Einstehen könnte man dazu sagen, die meisten Neuzugänge durften gleich einmal die Einserreihe kennen lernen. So auch ich, zuerst dachte ich da wird herumgealbert und alles sei ein Scherz. Nein die Kommandos wie und warum man zu stehen hatte waren schnell erklärt.
Der erste Tag war vorbei und die Nachtruhe begann, erst tief in der Nacht quälte ich mich in den Schlaf zuviel war mir durch den Kopf gegangen, ab diesen Zeitpunkt gab es für mich nur einen Gedanken ich muss das irgendwie durchstehen und zusehen das ich da raus komme zu meinen eigentlichen Ziel das Heim in der Hartäckerstrasse wo meine Brüder auch waren.

Unser Schwimmbad

Wenn es heiss ist im Sommer wohin würden wir zum Schwimmen und zur Abkühlung mit den Kindern gehen?
An einen See, Teich, Schwimmbad oder wie auch immer.
Den Wimmersdorfer Heimkindern wurden zwei Betonringe, einen Meter im Durchmesser gefüllt mit Wasser, für ihre Badefreuden gegönnt. Hineinsteigen einmal eintauchen und das war es dann. Sommer für Sommer.

Foto: Rudolf Prinesdomu

Dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Einige hatten das Glück auch einmal im Bach bei Grabensee sich erfrischen zu dürfen. Nach meiner Zeit gibt es Berichte das man auch im Freischwimmbad war.
Grabensee der Bach kurz vor der Brücke.
Foto: Rudolf Prinesdomu
Das Essen

Während der Woche gab es immer einfachste Gerichte wie Milchnudeln. Bröselnudel mit Apfelmus, eine Scheibe abgebratene Extrawurst mit Kartoffel, Reis mit Tomatensosse usw. Während man auf unseren Rücken sich am ersparten durch Billigsthaltung bereicherte, baute sich die Familie Stellbogen eine luxuriöse Wohngelegenheit nach der anderen und als draufgabe misshandelte man uns. An den Wochenenden Krennfleisch, manchmal ein Schnitzel, Leber. War man mit der Suppe nicht schnell genug wurde der Hauptgang trotzdem im noch halbvollen Suppenteller versenkt. Unpässlichkeiten wie Schwätzen durften nicht passieren da ansonsten wie meistens Kollektivstrafen vor dem Essen vollzogen wurden. Alles aufstehen mit Händen hoch oder Kniebeugen eine halbe Stunde ertüchtigt um danach zu beten. Trotz Kindesalter merkte man schon die Schwermütigkeit in den Stimmen und den Zweifel am gesagten. Dann gings ans essen und egal ob es schmeckte oder nicht es musste runter, egal in welchen Gemütszustand man sich gerade befand. Etwas übrig lassen wurde nicht geduldet und sehr oft gab es wegen Unapettit Misshandlungsorgien. In der Mitte vorne beim Eingang wurden große Töpfe auf Stockerln abgestellt wo das Essen ausgeteilt wurde. In Einserreihen gings dorten an die Massenabfertigung. Passte etwas nicht kam es schon vor das die Direktorin einer der Töpfe voller Wut auf den Boden beförderte. Der nächst stehende war dann meist jener der die volle Breitseite an Gewalt ab bekam.

Wer einmal aus diesen Napfe trank.......
Foto: Rudolf Prinesdomu

 Zu spät gekommen

Vier mal im Jahr jeweils zu den div. Schulferien durfte ich auf Ausgang zur Familie. Meine Ausgangsschuhe wurden kaputt und meine Erzeugerin konnte mir keine neuen besorgen. Irgendwann gab sie mir ihre Schuhe und so kam ich mit einigen Tagen Verspätung zurück ins Heim. Die ganze Mannschaft hat gerade Wäsche ausgefasst und ich war angekommen. Ich wurde, vor allen, von Dir. Stellbogen mit einen Kochlöffel empfangen. das Gepäck abgestellt den Mantel abgelegt kam schon der Befehl die Ärmel hochzuziehen. Hände gestreckt nach vor und dann schnaltzte der Kochlöffel auf die Finger. Zehn mal und kaum die Hände weggezogen war schon das Ohr dran. Einmal am Lauschlöffel wieder in Position gezogen klatsche es wieder. Natürlich gab es darauf hin einen Monat in der Einserreihe zur Strafe stehen und zuvor tausend mal den Satz schreiben: Ich darf nicht zu spät zurück ins Heim kommen

Kirchenmarsch

Jeden Sonntag wurde sich zurecht gemacht, das Ausgangsgewand angezogen und dann ging es mit Nazihaarschnitt still und schweigend mit befohlenen "Sprechschluss" in zweier Reihe 40 min Marsch durch die Ortschaften zur Kirche. Gab es währendessen Vorkommnisse, wie untereinander Tratschen, wurde geohrfeigt, Haare oder an den Ohren gerissen. In der Kirche feierten die  Erzieherinnen mit den Zöglingen und Bewohnern der Umgebung die Messe, knieten nieder beteten empfingen den Laib Christi  um beim Retourweg zum Heim gleich wieder zu schlagen zu Ohrfeigen und zu demütigen.


Kirche zu Johannesberg
Foto: Rudolf Prinesdomu

Das Pfeifferl

Was soll einmal aus Kindern werden die mit einer Pfeiffe großgezogen werden? Für uns das wichtigste, die Trillerpfeiffen der Erzieherinnen. Ob bei kargen Freizeitunternehmen, während des normalen Leben also eigentlich immer wurden wir damit dirigiert. Man konnte schon bei hektischen pfeiffen genau wissen wo es gleich wieder Terror geben würde.
Zum Toilettengang wurde aufgezeigt und gemeldet das man zur Toilette möchte. Während dem Essen war das zur Toilette gehen nicht erlaubt, genauso wie nach dem zu Bette gehen. Musste man da zur Toilette konnte man sich gleich auf 30 Min. Strafe stehen einrichten das sofort vollzogen wurde. Erst spät in der Nacht wenn alles am schlafen war konnte man ohne Befehlsempfang zur Toilette die sehr oft übergegangen war und bis zum Gang die Notdurft herumschwomm.
Eine Zeit lange wurden deswegen die Toiletten gesperrt und Metalkübel aufgestellt, diese Aktion brachte Chaos pur. Der ganze Siff war übergelaufen und verteilte sich im ganzen Stiegenhaus.


Foto: Rudolf Prinesdomu

Diszipliniermärsche

Auf der Weganlage hinter dem Haus , wie Knastbrüder in Zweiherreihe wurde marschiert. Runde für Runde Kilometer für Kilometer, still und schweigend im Kreis herum. Heute sage ich Diszipliniermärsche. Bei Auffälligkeit, wie etwa mit dem Nachbarn reden oder aus der Reihe kommen, wurde mit Watschen Haare reissen usw. immer vor der Gruppe geahndet. Dazu wurden von den Erzieherinnen, mit Pfeifferln so wie Schiedsrichter sie verwenden, Signale gegeben. Wenn es soweit war wurde gepfiffen, der jeweilige Zögling hervorgeholt und los ging es. War der Bub dann abgewatschelt gings weiter. Manchmal stellte sich Dir. Stellbogen mit der Zieharmonika in die Mitte, dazu wurde je nach Takt marschiert.Des öfteren ging es auch ausserhalb zu Spaziergängen durch die Ortschaften und die Gegend,

Meist im Sprechschluss stundenlange Spaziergänge in der Gegend um Wimmersdorf.
Foto: Rudolf Prinesdomu


dabei kein anderes Bild, in Zweiherreihe schweigend wurde marschiert während die Ortsbewohner links und rechts verschwanden (wollte man nicht sehen wie es da zugegangen ist?). Ab und zu durften ausgewählte Kinder mit Taschengeld beim Dorfwirten Beer Naschereien wie Kartoffelchips oder Schnitten kaufen.


Foto: Rudolf Prinesdomu

Bei Schlechtwetter ging es mit den Ausgehschuhen hinaus die dann danach in einen Raum im Keller geputzt wurden.
Zuerst mit der Kotbürste dann eincremen und polieren. Wer dabei ungeschickt war und irgendwo einen Krümmel am Schuh übersehen hat, putzte sie von vorne nochmals solange bis es gepasst hat, egal wie lange es gedauert hat, wenn es zulange gedauert hat musste man auf sein Mittag/Abendessen verzichten das natürlich dann auch die eine oder andere Ohrfeige zur Folge hatte.

Barbaras Babypause

Tante Barbara die lange meine Erzieherin war hatte irgendwann in all den Jahren ein Jahr Babypause, Man könnte meinen das sie durch ihr eigenes Kind bemerkt hat was sie da täglich uns gegenüber angetan hat. Zu Anfang ihrer Rückkehr hätte man es fast glauben können der Zustand dauerte aber nur wenige Tage und es ging in alter Gewohnheit weiter. Nach ihrer Rückkehr holte sie sich einen nach den anderen und befragte ihn was er am liebsten spielt oder gerne macht.
Nur ganz so dumm wie es sich Barbara vorgestellt hatte war ich nicht mehr und natürlich wusste ich wenn ich jetzt das richtige bekannt gebe nützt man das gegen mich. Also kurz überlegt, zum lügen gezwungen gab ich eine für mich uninteressante Tätigkeit an.

Stricherlheft

Völlig normal wenn man zusammensitzt das man sich unterhält, sich die Kinder das oder das erzählen ihre Witzchen reissen und so in den meisten Fams gute Stimmung herrscht.
Ganz anders wurde dies in Wimmersdorf gehandhabt. Fast den ganzen Tag war Kommunikation untereinander verboten. Dafür gab es ein Heftchen mit allen Namen. Wurde zb. beim Essen jemand erwischt das er gelümmelt hat, Hand nicht ordentlich neben dem Teller lag oder es sich erlaubt hat mit anderen zu schwätzen gab es sofort fürs erste riesen Stress (Strafstehen mit Essensentzug) und ein Stricherl im Heftchen. Einer meiner Erzieherinnen, Barbara Kreuzer kannte meine Fürsorgeakte sehr genau worin geschrieben steht er liebt das spielen. Dieser Satz war Grund an der mir angediehenen Folter in der Einserreihe.

Der original Küchenofen steht heute noch.
Foto: Rudolf Prinesdomu

Nicht anders zur Bettruhe die tagtäglich um 20:00 begann, wurde man erwischt das man sich mit dem Nachbarn unterhielt wurde sofort reagiert und man stand solange mit Händen an der Hosennaht bis alle fest eingeschlafen sind oder der Aufpasserdienst der Erzieherin zu ende war, hatte man Pech gab es zuvor noch einige Watschen. Früh morgens sofort nach dem aufstehen musste das Bett in einer Weise zurecht gemacht werden das es manch Erwachsener mit einen Winkel nicht zusammenbringt. Waren da die Ecken nicht genau im Winkel das Leintuch fest gespannt der Polster genau ausgerichtet flog das komplette Bettzeug in hohen Bogen davon und es ging von vorne los, was zur Folge hatte das man zu spät zum Frühstück kam und es dann keines mehr gab. Natürlich sammelte man sich dafür noch dazu Stricherl für das Wochenende ein.


Der große Sportplatz. Manche so wie auch ich haben nur ganz selten am Fussball spielen teilgenommen. Zuerst mussten gesammelte Stricherl in Einserreihe abgestanden werden meist blieb dann keine Zeit mehr für spielen übrig.
Foto: Bernd Rantscheff

Dies bedeutete, während andere am Fussballplatz spielen durften, pro Strich 30 Minuten Strafe in der Reihe stehen. Man kann sich wohl gut vorstellen das man die ganze Woche einige Striche zusammen bekommen hat und man das ganze Monat statt spielen zur Strafe in praller Sonne,  mit den meisten anderen in Einserreihe Hände an der Hosennaht, nach vorne ausgestreckt oder in der Schranzhocke mit Büchern auf den ausgestreckten Händen  gestanden ist. Des öfteren sind Zöeglinge ganz einfach wegen Kreislaufversagen usw. zusammengebrochen oder umgekippt.

Der kleine Sportplatz heute noch allen gut bekannt. Wollte man sich wieder einmal an entwürdigen von Kindern aufgeilen durften die Kinder mit einen schweren Medizinball "Völkerball" spielen.
Foto: Bernd Rantscheff
Der Umgang untereinander
Zusammenhalt als ganze Gruppe hat es nicht gegeben dafür wurde gründlich gesorgt. Mit abwechselnden Aufpasserdiensten endeten so manche Freundschaft und wechselte in Feindschaft.
Mit diesen Aufpasserdiensten saß man richtig in der Zwickmühle, einerseits durfte man niemanden verwamsen andererseits wollte man keine Trabbls mit dem erziehenden Personal. Hatte man Glück war schnell Ruhe und alle schliefen bald. Dann war die Welt in Ordnung, jedoch waren da Dienste an denen es unter den Kindern rund ging und es unmöglich war niemanden zu verraten. Öfters gab es dann für so manchen die Decke. Die Decke bedeutet, es wird eine Decke über jemanden geworfen und wenn sich dieser nicht mehr wehren konnte wurde drauf los gedroschen. Selbst die Holzsandalen waren im Einsatz.
Stärkere und Erwachsenere suchten sich für ihre sexuellen Triebe kleine Kinder. Einer der beliebtesten Plätze an denen zum schmaucheln gezwungen wurde war das Fernsehzimmer. Hier hatten die Peiniger einen guten Rundumblick und konnten so sicher sein nicht erwischt zu werden.
Besonders mussten die kleineren in der ersten Gruppe unter sexuellen Missbrauch leiden da die Gruppenräume also auch die Schlafsääle knapp gegenüber von den großen lagen.
Nicht immer wurden Kinder zu sexuellen Handlungen „gezwungen“ Überedungskunst wie ich beschütze dich vor anderen waren üblich.
Na klar unterwarfen sich welche mit dem Gedanken einen Beschützer vor anderen Tätern zu haben.
Nicht nur der sexuelle Missbrauch untereinander war brutal auch der sonstige Umgang. Titel wie Lavourpappn, Wasserkopf und andere gab es da. Rein aus Frust oder aus dem Gehabe des stärkeren wurde verprügelt.
Diese ganzen Missstände wurden kaum geahndet sondern noch gefördert. Heute ist mir der Grund dafür klar, man hatte ganz einfach Angst das sich die Zoeglinge wehren könnten indem sie sich gemeinsam zusammen schliessen und sich nichts mehr gefallen lassen. Indem man Krieg unter den Kindern schürte verhinderte man genau dieses.

Geburtstage

Waltraud zu der ich und Christian öfters zu Ordnerdiensten eingeteilt waren hatte Geburtstag. Wir hatten die Idee eine Zeichnung von ihrem Haus mit Stall usw anzufertigen und diese als Geburtstagsgeschenk zu überreichen. In Wirklichkeit wollten wir uns nur Sanftmut von Waltraud abkaufen. Wie bettelnde Hunde biderten wir uns an ein wenig Ruhe und Gewaltfreiheit zu erhaschen.
Vielleicht liest ja Waltraud irgendwann diese Zeilen und hat das Bild sogar noch. Ich hoffe sie hält es in Ehren mehr Hoffnung kann in einen Bild nicht mehr stecken.
Zu zweit zeichneten wir möglichst genau jede Kleinigkeit in das Bild und so wurde es eine richtig gelungene Buntstiftzeichnung. Ob sich Fr. Meznik darüber gefreut hat kann ich heute nicht mehr sagen bzw mich erinnern im gesamten gesehen hatte es nichts genützt unbarmherzig blieb man dem Vernichtungskonzept treu.
Auch unsere Erzieherin Barbara hatte Geburtstag. Früh morgens lange bevor wir eigentlich aufstehen mussten ging es los. Alle Betten wurden perfekt gemacht alles Pikobelo zusammen geräumt selbst der Boden bekam eine neue Wachsschicht und wurde mit den schweren Bodenbürsten auf Hochglanz gebracht.
Die gewollte gleichgültige Reaktion verstehe ich erst heute. Eher erschrocken zeigte sich unsere Erzieherin über unsere gezeigte Selbstständigkeit  als Freude über unsere Überraschung zu haben.
Schnell wurde aus unserem Geschenk Vorwürfe gemacht und somit unser Teamgeist und gemeinsamer Erfolg zerstört. Danach könnte ich mich an keine derartige Aktion von Zöglingen gegenüber Erzieherinnen erinnern.
Diese Erziehungstaktiken wirken sich heute noch aus. Für Lob Zuneigung Geschenke usw gibt es kein empfinden mehr, wo andere Freude haben ist nur mehr Gefühlslosigkeit und Gleichgültigkeit.

Das Ende

Schon zu Anfang meiner "Heimkarierre" war ich ständig bemüht ins Kinderheim Döbling zu kommen da ich wusste das es da Familiär zuging und Kinder unter normalen Umständen aufwachsen können.
Dies wurde mir jedoch lange Zeit verwehrt bis ich doch etwas erwachsener war und Hilfe von aussen durch meine Brüder und ihre Freunde bekam.
Ein größerer hatte mich wegen nichts verdroschen und das wurde meinen Halbbrüdern zuhause mitgeteilt.
Beim nächsten Ausgang aus dem Heim passten diese geschickt den Zögling in Hütteldorf-Hacking bei den Stiegen zum Busbahnhof ab. Dorten bekam er eine Abreibung die mir plötzlich unter gewissen Mitzöglingen Ruhe verschaffte. Heute kann ich sagen dies war der Beginn vom Ende meines Höllentrips in Wimmersdorf. Soweit mir bekannt ist wurde der Vorfall der Heimleitung bekannt und ab da dürfte meiner Überstellung nach Döbling Zuspruch gegeben worden sein. Ich war für die Direktorin unangenehm geworden und jetzt musste sie mich loswerden bevor es Probleme hätte geben können.
Erst dann mit etwa 13 Jahren  so Mitte 1978 war es soweit ich wurde dahin überstellt. Kurz angekommen hob ich die Hand um zu fragen ob ich zur Toilette dürfe, sofort war man bemüht mir zu erklären das ich zur Toilette gehen kann wann ich möchte und ich nicht zu fragen brauche, der erste Weg in ein normales Leben lag vor mir. Wimmersdorf wurde von den Erziehern in Döbling das "Pfeifferlheim" genannt.
Schon nach wenigen Tagen packten wir unsere Sachen und urlaubten für drei ganze Wochen am Wörtersee, der Urlaub wurde die schönste Zeit in meinen Heimleben.
Es gab Taschengeld, wir durften ohne Aufsicht in eine Disco für Jugendliche, besuchten Velden und hatten sehr viel ungelenkte Freizeit.